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Name für Gymnasium gesucht


Am Gymnasium treffen sich seit zwei Jahren regelmäßig interessierte Schüler, Eltern und Lehrer, um Rückmeldungen über die geleistete Arbeit zu sammeln und sich Gedanken über die Fortentwicklung der Schule zu sammeln. Ein Projekt für das laufende Schuljahr ist der Versuch, über eine breit angelegte Diskussion einen aussagekräftigen Namen für die Schule zu finden.

Eingangsbereich Gymnasium

Dabei war man schon die Jahre zuvor keineswegs untätig: Als eine der ersten Schulen reformierte das Spaichinger Gymnasium den naturwissenschaftlichen Zug mit den neuen Fächern ‚Naturphänomene’ und ‚Natur, Wissenschaft und Technik’ und entwickelte hierfür Konzepte, die heute landesweit eingesetzt werden. Damit verbunden sind neue Formen der Berufsorientierung und der Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen, die sich fortsetzt im neuen Wahlfach Wirtschaft in der Oberstufe, das in Spaichingen ebenfalls frühzeitig eingeführt wurde. Mit diesem naturwissenschaftlichen Profil, dessen Wirksamkeit nicht nur in mittlerweile zahlreichen Preisen Spaichinger Jungforscher deutlich werden, ist ein Kern der Ausrichtung der Schule beschrieben. Die in diesem Bereich geleistete Arbeit wäre übrigens nicht möglich gewesen ohne die großzügige Unterstützung der Stadt als Schulträger und vieler lokaler Unternehmen beim Umbau der naturwissenschaftlichen Räume.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der bilinguale Zug, in dem Schüler in jedem Jahr in einem anderen Sachfach auf Englisch unterrichtet werden und der inzwischen von über zwei Dritteln der neu angemeldeten Schüler gewählt wird. Der bilinguale Zug feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum, und die Kleinstadt Spaichingen war über viele Jahre landesweit der einzige Ort, an dem der bilinguale Zug im achtjährigen Gymnasium angeboten wurde.

Ein dritter Schwerpunkt ist die Ausrichtung auf den Sport. Dies kommt zum Ausdruck in der Ernennung zur Partnerschule des Olympiastützpunktes Freiburg für die Sportart Badminton, aber auch in vermehrtem Sportunterricht mit Vertiefungssportarten schon in der fünften Klasse und einem großen AG-Angebot. Auch hier sind die Resultate bis hin zu Wettbewerben wie Jugend trainiert für Olympia überzeugend.

Bei allen schulischen Erfolgen ist eine Schule für alle Beteiligten aber immer mehr als nur ein Ort des Lernens. Gerade für Schüler steht oft sicher anderes im Vordergrund: Hier trifft man seine Freunde, hier kann man sich ausprobieren – das Pflichtprogramm nimmt man dann eben in Kauf. Für Schüler wie Lehrer nimmt die Schule schon allein zeitlich einen so großen Raum ein, dass die Schule die gesamte Persönlichkeit ins Auge fassen muss. Eine Schule, die sich auf das Unterrichten beschränkt, wird heutzutage scheitern.

Unterricht im Gymnasium

 

Aus dieser Überzeugung heraus werden seit einigen Jahren auch interessierte Schüler und Eltern zu den Pädagogischen Tagen eingeladen, damit sich alle am Schulleben Beteiligten in einer Auszeit mit der Frage beschäftigen können, in welche Richtung sich das Gymnasium Spaichingen entwickeln soll. Aus einem solchen Pädagogischen Tag heraus hat sich vor zwei Jahren eine Arbeitsgruppe unter dem Namen „Lebenswelt Schule“ gebildet, in der diese Zusammenarbeit fortgesetzt wird.
Ein erstes Projekt dieser Arbeitsgruppe war eine aufwändige Reihe von Diskussionen auf allen Elternabenden, in allen Klassen und im Lehrerkollegium über die Fragen: Warum gehen wir gerne in diese Schule? Woran liegt es, wenn das mal nicht der Fall ist? Und was sollte sich ändern?
Diese Gesprächsrunden brachten eine Vielzahl von Ergebnissen: Neben der Erkenntnis, dass schon vieles gut läuft, stand eine Vielzahl von Kritikpunkten in Detailfragen, darunter so banal klingende Anliegen wie die Tatsache, dass der Duft aus den über dreißig Jahre alten sanitären Einrichtungen des Gebäudes so manchem gehörig in die Nase steigt. Die Arbeitsgruppe nimmt diese Anliegen auf und versucht Verbesserungen zu erreichen. In den Haushaltsberatungen hat die Stadt mittlerweile zugesagt, neue Urinale zu installieren, und ein neues Reinigungsmittel beseitigt Gerüche nachhaltiger als zuvor.
Auch wünschen sich Schüler wie Lehrer, dass die Hemmschwelle, in ein offenes und konstruktives Gespräch miteinander zu kommen, sinken möge. Wie kann ein Lehrer ehrlich erfahren, was seine Klasse am Unterricht stört, wie kann ein Schüler, der sich ungerecht behandelt fühlt, sein Problem zur Sprache bringen, ohne Angst vor Druck zu haben? In der Folge entsteht derzeit ein Trainingsprogramm für Klassensprecher.
Daneben soll versucht werden, Engagement von Schülern mehr zu fördern – eventuell auch zu fordern - und zu würdigen. Viele Schüler leisten Großartiges sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule: als Mentoren im Sport und in der Hausaufgabenbetreuung, in der SMV, als Streitschlichter wie im Schulsanitätsdienst. Dies alles schafft Bewährungs- und Lernmöglichkeiten, die Unterricht allein nie bieten kann.

Schüler beim Experimentieren

 

Zudem wurde aber auch deutlich, dass sich viele Schüler und Eltern mehr Identifikationsmöglichkeiten mit unserer Schule wünschen. Eine pfiffige Gruppe von Jungunternehmern aus dem Neigungsfach Wirtschaft der Oberstufe ergriff diese Chance sofort und gründete eine Firma, die im letzten Schuljahr Schul-T-Shirts produzierte und vermarktete.

Ein häufig genannter Vorschlag war darüber hinaus, dass unsere Schule doch einen „richtigen“ Schulnamen bekommen solle. Formal gesehen geht uns das eigentlich gar nichts an, denn laut Schulgesetz vergibt die Stadt als Schulträger einen Namen an die Schule, und dieser Formvorschrift genügt die Bezeichnung ‚Gymnasium Spaichingen’. Nun ist dieser Name mittlerweile zu einer eingeführten Marke geworden. Wir wollen daher die Diskussion über einen neuen, gehaltvollen Namen für unsere Schule vollkommen ergebnisoffen führen. Ein Name kann nur dann zur Identifikation beitragen, wenn er das aussagt, was eine Mehrheit mit unserer Schule verbindet, wenn er Ansatzpunkte für eine weitere Stärkung des Schulprofils bietet und wenn er die Schulgemeinschaft nicht spaltet.

Wenn wir uns jetzt konkret auf dem Weg der Namenssuche einlassen wollen, wird es zuerst einmal darum gehen herauszufinden, was eigent¬lich das Besondere an unserer Schule ist. Was soll unsere Schule in Zukunft ausmachen, in welche Richtung soll sich unsere Schule entwickeln?
Die AG „Lebenswelt Schule“ hat in diesem Prozess sicher keine Entscheidungsfunktion. Wir wollen uns aber zur Aufgabe machen, diesen Prozess zu begleiten, zu moderieren und voranzutreiben. Wir wünschen uns eine Vielzahl von Vorschlägen! Dabei sollte klar sein, dass Vorschläge natürlich ein gründliches Eindenken in die Besonderheiten unserer Schule wie in Leben und Werk der jeweils vorgeschlagenen Person erfordern. Aber auch andere Vorschläge wie eine geographische Bezeichnung sind denkbar. Wir bitten daher darum, Vorschläge immer mit einer Begründung zu versehen. Wer darüber hinaus daran interessiert ist, sich in dieser Frage zu engagieren, ist herzlich eingeladen, zu den Treffen der AG „Lebenswelt Schule“ zu kommen.

Das Gymnasium Spaichingen ist mit den Jahren eine experimentierfreudige Schule geworden. Zusammen mit der hohen Belastung für die Schüler im achtjährigen Gymnasium wie für die Lehrer durch die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung um zwei Stunden, durch gänzlich neue Lehrplanvorgaben, neue Fächer und teilweise vermehrt von den Elternhäusern auf die Schule abgeladene Erziehungsarbeit führt dies auch das Gymnasium Spaichingen bisweilen an viele Grenzen. Andererseits lässt sich gerade diese Arbeitsbelastung nur dann tragen, wenn sich alle Beteiligten an der Schule als ganze Person angenommen und aufgehoben fühlen können, und an einer experimentierfreudigen Schule bedeutet dies zugleich auch, dass das Zusammenleben kreativ und spannend ist – und damit Spaß macht!

Redakteur / Urheber
Dr. Hans Christoph Timm
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